Menschen mit Demenz erleben Schmerzen genauso wie andere. Ihre Fähigkeit, Schmerz zu benennen, nimmt jedoch mit fortschreitender Erkrankung ab.
Oft können sie nicht mehr klar ausdrücken, wo oder wie stark es weh tut. Für Angehörige und behandelnde ÄrztInnen bedeutet das: Schmerzen müssen auf andere Weise erkannt werden.
Warum die Diagnose so schwierig ist
- Kommunikationsprobleme: Sprache und Ausdrucksmöglichkeiten gehen verloren.
- Verhaltensänderungen: Unruhe, Aggression oder Rückzug können Hinweise auf Schmerzen sein – werden aber oft als „typisches Demenzverhalten“ missverstanden. Zu oft werden dann sedierende Medikamente verabreicht, die gegen die Schmerzen nicht helfen, die Demenz aber vorantreiben.
- Fehldiagnosen: Schmerzen bleiben dadurch leicht unentdeckt oder werden falsch behandelt.
Beobachtung statt Befragung
Da klassische Schmerzskalen (z. B. 0–10) nicht mehr verwendet werden können, gibt es spezielle Schmerzfragebögen für demente Patient:innen, bei denen die aufmerksame Beobachtung von Körpersprache und Verhalten im Vordergrund stehen.
Typische Anzeichen für Schmerzen sind:
- Veränderungen im Gesichtsausdruck (Grimassieren, Weinen, ständige Blickwendung zu einer Seite)
- Zunahme der Muskelspannung, der Herzfrequenz, des Blutdrucks (typische Zeichen für Streß)
- Schonhaltung, Abwehrbewegungen, aber auch Kratzen, Schlagen auf die schmerzhafte Stelle
- Lautäußerungen wie Stöhnen oder Schreien
- Rückzug, Appetitverlust, Zunahme der Schlafstörungen, aber auch Aggressivität gegen sich selbst und andere
Behandlung mit Fingerspitzengefühl
Die perfekt Therapie besteht aus folgenden Komponenten, behutsam auf einander und den Tagesrhythmus des Betroffenen abgestimmt:
- Medikamentös: Schmerzmittel und andere Medikamente müssen noch vorsichtiger als üblich aufdosiert werden, da ältere Menschen empfindlicher auf Nebenwirkungen reagieren. Viele der sonst üblichen Medikamente sind bei älteren Patient:innen kontraindiziert und können die Verwirrung noch verschlimmern. Eine erhöhte Sturzgefahr wäre eine häufige Konsequenz. Die sogenannte Priscus Liste gibt Auskunft, welche Medikamente bei älteren und besonders bei dementen Patient:innen vermieden werden sollte.
- Nicht-medikamentös: Körpertherapie, Berührung, Musik oder vertraute Rituale helfen ebenfalls, Spannungen abzubauen und Schmerzen zu lindern.
- Interdisziplinär: Besonders hier zeigt die enge Kooperation von Ärzt:innen, Pflegekräften, TherapeutInnen auf Basis der Information der Angehörigen schöne Ergebnisse.
Auf den Punkt gebracht
- Schmerzen bei Demenz sind oft scheinbar unsichtbar, dennoch sie sind da!
- Wer genau beobachtet und die Signale ernst nimmt, kann die Lebensqualität spürbar verbessern – für die Betroffenen selbst und auch für deren Umfeld.
Quelle:
Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.