Tumorschmerzen 

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Sobald Patienten die schockierende Diagnose „Krebs“ oder „bösartiger Tumor“ bekommen, ändert sich Alles im Leben des Betroffenen. Oft ist die Angst vor starken Schmerzen größer, als die Angst vor der Erkrankung selbst. An Krebs zu erkranken bedeutet jedoch nicht automatisch, dass starke Schmerzen auftreten müssen. Sowohl die Krebsart als auch der Fortschritt der Erkrankung sind für die Entstehung von Tumorschmerzen entscheidend. Jeder Betroffene geht mit seiner Erkrankung und seinen Schmerzen anders um. Mit unserer Erfahrung und Ihrer Mithilfe werden wir „Ihrem“ Schmerz entgegentreten und verschaffen Ihnen so wieder mehr Lebensqualität.

Wie häufig sind Tumorschmerzen?

In Österreich erkranken im Jahr durchschnittlich 40.000 Österreicher an Krebs. Im Jahr 2000 waren 2,4 % der österreichischen Bevölkerung betroffen, Ende 2030 werden es bereits 4,9 % sein. Die steigende Anzahl der Erkrankungsfälle ist auf die zunehmende Alterung der Bevölkerung, auf die medizinische Weiterentwicklung und damit auch ein längeres Überleben einer Krebsdiagnose zurückzuführen. 

 

Studien belegen, dass 20 – 50% der Betroffenen bereits im Anfangsstadium an Schmerzen leiden. Im Endstadium sind es bereits 75 – 90%.

Wie entstehen Tumorschmerzen?

Große wie kleine Tumore, aber auch Metastasen können durch deren Wachstum Gefäße, Nerven, Organe oder Sehnen und Muskeln direkt verdrängen. Je nach Lage des Tumors können wichtige Strukturen (Blutgefäße, Lymphbahnen, Gallengang, Darm) eingeengt  oder in deren Funktion beeinträchtigt werden. Die Betroffenen leiden deshalb unter Knochen- oder Weichteilschmerzen, viszeralen Schmerzen, neuropathische Schmerzen oder unter Kombinationen sämtlicher Schmerzformen. 

Eine andere Variante der Schmerzentstehung ist die unterschiedlichsten Veränderungen an körpereigenen Botenstoffen und Hormonen („paraneoplastische Syndrom“). Aber auch die Krebsbehandlung selbst kann ungewöhnliche Schmerzen verursachen. Sowohl chemotherapeutischen Behandlungen als auch die mitunter notwendigen Bestrahlungen können zu massiven Schmerzzuständen führen. Neben den schmerzhaften Entzündungen und Infektionen an Schleimhäuten und inneren Organen kommt es zu massiven, diffusen Nervenschädigungen. Die Schmerzen werden als brennend, spitz bis drückend oder dumpf beschrieben. Viele Patienten klagen zusätzlich über unangenehme neuropathischen Empfindungsstörungen, bei denen normale Berührungen als Brennen, Kribbeln, Bamstigkeit falsch weitergeleitet werden.

Schmerzen bei Knochentumoren oder Knochenmetastasen

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Je mehr ein Tumor an Größe gewinnt oder das betroffene Areal schädigt, desto mehr Druck wird auf den Knochen bzw. auf die stark schmerzempfindliche Knochenhaut (Periost) ausgeübt. Durch das Tumorwachstum werden vermehrt knochenabbauenden Substanzen gebildet, worunter die Stabilität des Knochens weiter leidet. Grundsätzlich kann jeder Knochen von einer Metastase befallen werden. Am häufigsten treten Knochenmetastasen jedoch in der Wirbelsäule, im Becken, Rippen oder im Oberschenkelknochen auf. Gerade zu Beginn der Erkrankung treten Schmerzen im betroffenen Gebiet meist nur bei Belastung (Bewegung, Sport) auf. Je weiter der Tumor bzw. die Metastase wächst, desto stärker werden die Schmerzen und treten dann auch in Ruhe oder in der Nacht auf. 

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Schmerzen im Weichteilgewebe

Sind  Muskulatur oder das Bindegewebe befallen, treten diffuse Dauerschmerzen auf, manches Mal einhergehend mit einer Schwellung oder Rötung im betroffenen Areal. 

Schmerzen durch Druck auf Gefäße

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Auch wenn der Tumor zunehmend Druck auf benachbarte Blutgefäße ausübt, kann es zu starken Schmerzen kommen. Sind arterielle Gefäße betroffen, kommen nur mehr weniger Blut und damit Sauerstoff in das versorgte Areal und es kommt zu einem schmerzhaften, lokalen Sauerstoffmangel. Ist ein venöses Gefäß betroffen, kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung im betroffenen Areal mit Gefahr eines gefährlichen Blutgerinnsels.

Neuropathische Schmerzen 

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Verdrängt der Tumor Nerven oder wächst in einen Nervengeflecht im Hals- oder Lendenbereich ein, entstehen starke neuropathische Schmerzen. Häufig empfinden Patienten selbst leichteste, im Normalfall nicht schmerzhafte Berührungen bereits als sehr schmerzhaft. Bei schwerer Schädigung kann es sogar auch Lähmungserscheinungen kommen. Neben dem Tumorwachstum kann auch eine Bestrahlungs- oder Chemotherapie neuropathische Schmerzen verursachen. "Normale" Schmerzmittel verschaffen meist keine Linderung, weswegen spezielle Medikamente zum Einsatz kommen. Diese sind in den Händen erfahrener Schmerzmediziner gut aufgehoben.

Neuropathische Schmerzen durch Tumortherapie

Schmerzen durch Chemotherapie

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Eine Chemotherapie ist gar nicht so selten selbst die Ursache für neuropathische Schmerzen. Die Wirkstoffe der Chemotherapie greifen in manchen Fällen die Hülle der Nerven an und schädigen diese. Dadurch kommt es zu einer fehlerhaften Weiterleitung der Nervenimpulse, was als neuropathische, einschießende Schmerzen oder Missempfindungen wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Brennen wahrgenommen wird. Die Sensibilitätsstörung kann sogar so stark sein, dass es zu einem erhöhten Sturzrisiko kommt. Mitunter bleiben therapie-assoziierte neuropathische Schmerzen auch noch nach erfolgreich überstandener Krebserkrankung bestehen. Eine individuelle Schmerzbehandlung kann den Leidensdruck aber in vielen Fällen deutlich reduzieren. 

Schmerzen durch Strahlentherapie

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Die häufigste Nebenwirkung einer notwendigen Strahlentherapie sind lokale Hautreizungen. Diese können durch spezielle Hautpflegemitteln reduziert und gelindert werden. Schwieriger gestaltet es sich, sobald sich Schleimhäute im Strahlenareal befinden (Mundschleimhaut, Blasenschleimhaut) und  entzünden.

Als langfristige Folgen einer Strahlentherapie, leiden Patienten häufig unter einer bleibenden Berührungsempfindlichkeit sowie Verhärtungen des bestrahlten Areals.

Arten von Tumorschmerzen 

Für die Behandlung von Dauerschmerzen werden unterschiedlich starke Medikamente über verschiedene Verabreichungswege verordnet. Je nach Schmerzstärke, Vorerkrankungen und Begleitmedikation kommen so individuell unterschiedliche Medikamente entweder als retardierte (lange wirksame) Tabletten oder Kapseln zur Anwendung oder spezielle Pflaster geben den Wirkstoff über mehrere Tage gleichmäßig ab. So kann möglichst nebenwirkungsarm, eine gute Basiseinstellung erreicht werden. 

Dauerschmerzen

Unabhängig von einer körperlichen oder psychischen Belastung begleiten Dauerschmerzen die Betroffenen den ganzen Tag und werden deshalb als besonders zermürbend erlebt. Der Schmerz ist einfach immer unverändert da, jede Stunde, jeden Tag, über Wochen... Oft gibt es keine Körperposition, keine "normale" Schmerzmedikation, um dem Dauerschmerz zu entgehen. Verzweiflung, Resignation, Depression verbunden mit Schlafstörungen, allgemeiner Lustlosigkeit bis hin zur sozialen Isolation sind die Folge.

Durchbruchschmerzen

Mit fortschreitender Krebserkrankung kann es zu plötzlich auftretenden, sogenannten "Durchbruchschmerzen" (besonders starke Schmerzspitzen) kommen. Innerhalb kürzester Zeit treten sehr starke bis unerträgliche Schmerzen auf, die wenige Minuten bis zu einer Stunde anhalten. Durchbruchschmerzen treten plötzlich und ohne Grund auf oder werden durch Bewegung, Husten oder Essen ausgelöst. Unbehandelt hat diese Art der Schmerzen eine starke Einschränkung der Lebensqualität zur Folge und stellen für Betroffene eine große psychische Belastung dar. Die Angst vor der nächsten Schmerzattacke sitzt in den Betroffenen und verhindert, dass längere Aktivitäten außer Haus geplant werden.

Therapiemöglichkeiten von Tumorschmerzen

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Eine effektive Schmerztherapie sollte so früh wie möglich begonnen werden, um nicht nur den Schmerz möglichst weit zu reduzieren, sondern auch eine Chronifizierung (Verselbstständigung des Schmerzes) zu vermeiden. Oft bedarf es dazu einer Reihe verschiedener Medikamenten, die - offen gesagt - auch Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben können. Um Schäden an Nieren oder Leber oder unerwünschte Komplikationen so gut wie möglich zu vermeiden,  empfiehlt es sich für Krebspatienten mit Schmerzen frühzeitig, einen erfahrenen Schmerzmediziner aufzusuchen. 

Medikamente gegen starke Schmerzen

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Für die Behandlung starker Dauerschmerzen stehen verschiedene, unterschiedlich starke Medikamente zu Verfügung. Der Wirkstoff kann je nach Präparat langsam aufgenommen werden (retardierte Form) oder steht unmittelbar nach Einnahme für akute Schmerzen zur Verfügung, die Wirkung hält dann aber nicht lange an. Häufig gelingt es durch die Kombination mehrere Medikamente ein besseres schmerztherapeutisches Ergebnis zu erzielen, als würde man nur ein Medikament empfehlen. Selbstverständlich erklären wir Ihnen mögliche und wahrscheinliche Nebenwirkungen und stehen für Rückfragen zur Verfügung. 

Transdermale Pflaster

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Mitunter ist die Chemotherapie mit starker Übelkeit und Erbrechen oder schmerzhaften Entzündungen der Mundschleimhaut verbunden und die Patienten können daher nur unzureichend mit Schmerztabletten versorgt werden. Manches Mal  zeigen Patienten über den Tag einen sehr stabilen Schmerzmittelbedarf, für beide Fällen stehen spezielle opioidhaltige Pflaster zu Verfügung, bei denen der Wirkstoff nach Aufkleben auf die Haut über die kleinen Blutgefäße in der Haut in den Blutkreislauf transportiert wird. Charakteristisch ist der verzögerte Wirkeintritt. Bei der ersten Anwendung benötigt es durchschnittlich 12 – 24 Stunden, bis die maximale Wirkung erreicht wird. Selbstverständlich können die Betroffenen mit dem Pflaster normal duschen.

 

Für weitere Details lesen Sie bitte unsere spezielle Patienteninformation.

Medikamente gegen Durchbruchschmerzen

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Schmerzmittel für Durchbruchschmerzen müssen spezielle Anforderungen erfüllen. Sie müssen einen sehr schnellen Wirkungseintritt haben, stark schmerzlindernd und eine ausreichend langanhaltende Wirkung haben. Der Wirkstoff Fentanyl kann sehr schnell über Mund- oder Nasenschleimhaut resorbiert werden und steht daher quasi unmittelbar nach Einnahme im Blut zur Schmerzreduktion zur Verfügung.

Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen

Viele Krebspatienten müssen im Rahmen der Therapie Erfahrung mit Übelkeit und Erbrechen machen. Hochwirksame Medikamente dagegen sind ein fester Bestandteil jeder Tumorbehandlung im Krankenhaus und es wird empfohlen, die Therapie auch unmittelbar nach einer Behandlung fortzuführen, um einen gefährlichen Mangel an Flüssigkeit sowie Elektrolyten und Schäden an Schleimhaut- oder Zähnen durch die Magensäure  zu verhindern.

Fatigue bei einer Krebserkrankung

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Starke Müdigkeit, körperliche oder geistige Erschöpfung sind Nebenwirkungen der Krebserkrankung selbst, können aber auch direkte (Chemotherapie, Immuntherapie, Strahlentherapie, Operationen) oder indirekte (Blutarmut, Schlafstörung, Übelkeit, Mangelernährung, starker Gewichtsverlust) Folge der Behandlung sein. Diese Symptome können nach abgeschlossener Therapie über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Selbst ausgedehnte Ruhe- und Regenerationsphasen mildern die Symptome nicht zufriedenstellend, der Alltag wird als zu anstrengend und belastend erlebt. 

Therapieansätze

  • Medikamentös (Beseitigung der körperlichen Folgen wie Blutarmut, Mangelernährung)

  • Bewegungstherapie (gezielte körperliche Aktivität ohne Überforderung hilft, die Symptome zu reduzieren)

  • Psychologische Unterstützung zur seelischen Entlastung und Aufarbeitung des Erlebten

  • effiziente Schmerztherapie

Schmerztherapie bei Tumorschmerzen

Priv. Doz. Dr. Gonano wurde von dem online Verlag "Selpers" als Experte zum Thema "Medikamentöse Schmerztherapie bei Krebs"  für einen Online Kurs interviewt.

Das Video können Sie unter folgendem Link abrufen:

https://selpers.com/kurs/medikamentoese-schmerztherapie-bei-krebs/